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Elsass Reisetipps – zwischen Fachwerk, Riesling und unverschämter Lebensfreude

Riquewihr Fachwerk

Wer zum ersten Mal ins Elsass fährt, hat schnell das Gefühl, sich in einer Postkarte wiederzufinden. Fachwerkhäuser in Bonbonfarben, Geranien in Wettbewerbsgröße, Winzerfeste auf jedem zweiten Dorfplatz, und alles garniert mit Foie Gras, Crémant und einem leichten „Bonjour, ça va?“ – selbst wenn Ihnen gerade offensichtlich die Landkarte ins Gesicht geweht wurde. Kurzum: Das Elsass ist französisch, aber nicht so prototypisch französisch, dass man sich verloren fühlt. Es ist eigen, stolz und unfassbar gemütlich. Hier folgen die Reisetipps, mit denen Sie das Elsass nicht nur sehen, sondern wirklich erleben.

Straßburg – die Hauptstadt eines Lebensgefühls

Straßburg wirkt auf den ersten Blick wie eine gut geölte politische Maschine. EU-Parlament, Europa-Rat – man könnte meinen, man höre das Summen diplomatischer Faxgeräte irgendwo im Hintergrund. Aber nur ein paar Schritte weiter stehen Sie vor der Kathedrale Notre-Dame, einem gotischen Monster in Sandstein, das so übermächtig wirkt, dass selbst hartgesottene Selfie-Verweigerer plötzlich Trigger-Finger entwickeln.

In der Altstadt „La Petite France“ reihen sich Kanäle, Kopfsteinpflaster und Fachwerk-Idyllen aneinander. Wer dort einen Flammkuchen bestellt, sollte sich bewusst sein: Hier entscheidet sich, ob man beim nächsten Besuch vom Kellner wiedererkannt und stolz begrüßt wird oder als „Ah, der mit dem ‚ohne Zwiebeln‘“ in Erinnerung bleibt. Sie können sich denken, welche Variante erstrebenswerter ist.

Colmar im Frühling

Colmar – die Hauptstadt der Zuckerguss-Romantik

In Colmar wird man schnell misstrauisch. Das Ganze wirkt zu schön. Fachwerkhäuser, die aussehen, als habe jemand Pastellfarben auf maximaler Sättigung eingestellt. Kanäle, die den Spitznamen „Klein-Venedig“ nicht einmal peinlich wirken lassen. Und mittendrin das Unterlinden-Museum mit dem Isenheimer Altar – ein Kunstwerk, das man nicht betrachtet, sondern erträgt. Intensiv, ernüchternd, unvergesslich.

Colmar ist außerdem eines der Zentren des Weins – dazu gleich mehr. Vorweg aber ein Tipp: Gehen Sie abends durch das beleuchtete Stadtzentrum, wenn die Busgruppen fort sind. Dann setzt die Magie ein – und der Gedanke, eventuell nicht mehr zurückfahren zu wollen.

Riquewihr, Eguisheim, Kaysersberg – das Elsass im Quadrat

Es gibt Reisende, die sagen: „Ein Dorf im Elsass gesehen, alle gesehen.“ Diese Menschen irren. Denn Riquewihr, Eguisheim und Kaysersberg sind wie drei Geschwister: eindeutig verwandt, aber charakterlich höchst unterschiedlich.

Ort Charakter Empfehlung
Riquewihr touristisch, aber bildschön Spaziergang zum Stadttor, Weinverkostung in einer historischen Kellerei
Eguisheim kreisförmiger Ortskern, magisch Zeitiges Aufstehen für menschenleere Gassen
Kaysersberg wilder, authentischer, von Burgruine überragt Wanderweg zur Burgruine + Wildschweinbraten danach

Die Elsässer Weinstraße verbindet diese Orte wie eine Perlenschnur. Das Verkehrsmittel der Wahl? Auto – oder Fahrrad, wenn Sie ein Mensch mit sehr robustem Kreislauf und großer Disziplin gegenüber Weinverkostungen sind.

Riesling Elsass

Weine – die eigentliche Währung des Elsass

Im Elsass spricht man nicht von Rot, Weiß oder Rosé. Man spricht von Riesling, Gewürztraminer, Pinot Gris, Muscat, Sylvaner und Pinot Noir, und zwar so selbstverständlich, dass man unweigerlich nickt, selbst wenn man innerlich „ähm, Moment“ denkt.

  • Riesling: trocken, mineralisch, das Rückgrat der Region

  • Gewürztraminer: aromatisch, exotisch, ein Wein mit Dramaturgie

  • Pinot Gris: körperreich und modern

  • Pinot Noir: der Rotwein-Außenseiter, aber immer besser werdend

  • Crémant d’Alsace: der Schaumwein, der Champagner manchmal nervös macht

Weinverkostungen sind kein Zusatzprogramm – sie sind Kultur. Achten Sie nur darauf, nicht in den sogenannten Touristen-Modus zu verfallen („Wir kaufen erstmal, bezahlen später“). Der Kofferraum wird es Ihnen danken.

Feste und Veranstaltungen – wenn das ganze Dorf auf die Tische steigt

Das Elsass feiert gern – und oft. Fast jedes Dorf hat ein Weinfest, und fast jedes Weinfest hat die Grundregel: Niemand bleibt allein an seinem Tisch sitzen.

Beliebte Termine:

  • Fête des Vins – in zahllosen Orten entlang der Weinstraße

  • Marchés de Noël – Weihnachtsmärkte in Straßburg, Colmar und Mulhouse – romantisch bis zur Reizüberflutung

  • Pfifferdaj in Ribeauvillé – das älteste Fest im Elsass, Mittelalter-Spektakel mit Herz

Wenn Sie sich fragen, wie Elsässer nach Wochen voller Feste jemals wieder arbeiten – Sie sind nicht allein.

Vogesen Aussicht

Natur – Berge, Weinberge, Störche

Wer genug von verwunschenen Gassen hat (falls das überhaupt möglich ist), findet im Elsass beeindruckende Naturkulissen.

  • Vogesen – Wanderwege, Aussichtspunkte und Bergseen

  • Route des Crêtes – Panoramastraße mit „Stopp-wir-müssen-aussteigen“-Effekt

  • Naturschutzgebiete der Rheinauen – stille Wälder, Auenlandschaften und Störche mit Star-Allüren

Hier gilt: gute Schuhe, Wasserflasche, Kamera – und gegebenenfalls ein bisschen Demut vor dem Höhenprofil.

Kulinarik – oder: Warum Diät im Elsass ein Fiebertraum ist

Zwei Worte genügen: Foie Gras und Flammkuchen. Beide köstlich, beide gefährlich. Doch damit endet die Aufzählung nicht.

  • Choucroute garnie – Sauerkraut mit Wurst, Fleisch, noch mehr Fleisch

  • Baeckeoffe – Schmorgericht mit Kartoffeln, drei Fleischsorten und viel Wein

  • Kougelhopf – Hefegebäck, das aussieht wie ein barocker Granitfels

  • Münsterkäse – olfaktorisch eine Herausforderung, geschmacklich ein Erlebnis

Achtung: Wenn Sie im Elsass hungrig bleiben, tun Sie es absichtlich. Und das könnte ein moralisches Problem darstellen.

Obernai Fenster

Warum ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung im Elsass unschlagbar ist

Hotels sind schön. Aber eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus im Elsass ist ein Gamechanger. Sie stehen morgens auf, öffnen die Fensterläden und blicken auf Weinberge – nicht auf den Parkplatz, auf dem ein Reisebus rückwärts piept. Sie kaufen Käse, Brot und Crémant auf dem Markt und frühstücken im Garten. Sie kochen, wann Sie wollen – und wenn nicht, gehen Sie einfach in die nächste Taverne oder Winstub und finden dort garantiert etwas Essbares, das Sie für den Rest des Tages maßlos glücklich macht.

Dazu kommt: Wer mit Kindern oder Hund reist, lebt entspannter. Wer Wein kauft, hat Platz dafür. Und wer nach einem Flammkuchen-Marathon einfach mal ungestört umfallen möchte – auch dafür ist ein eigenes Domizil hervorragend geeignet.

Routenidee – das perfekte 7-Tage-Elsass

Für alle, die gern strukturiert reisen:

Tag

Ziel

Schwerpunkt

1

Straßburg

Kathedrale & Petite France

2

Obernai & Mont-Sainte-Odile

Klosterberg & Wein

3

Colmar

Altstadt & Unterlinden

4

Eguisheim & Weinverkostung

Dorfspaziergang

5

Kaysersberg & Riquewihr

Burgruine + Shopping

6

Vogesen & Route des Crêtes

Natur & Aussicht

7

Ribeauvillé

Mittelalter & Entspannung

Danach? Noch mal von vorn. Glauben Sie mir.

Das Elsass ist kein Urlaub, sondern eine Einstellung

Das Elsass ist gleichzeitig gemütlich und stolz, verschlafen und lebensfroh, rustikal und elegant. Es ist ein Ort, an dem man Wein nicht trinkt, sondern zelebriert – an dem man Spaziergänge nicht macht, sondern schlendert – und an dem man nach zwei Tagen erahnt, dass Lebensqualität kein kompliziertes Konzept ist.

Wenn Sie das Elsass bereisen, kommen Sie verändert zurück. Und mit enormem Gepäck – physisch (Weine, Käse, Souvenirs) und emotional (die unerschütterliche Überzeugung, bald wiederkommen zu müssen).